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Aus der Gechichte
Verfolgt von einer Scherge des Regimes
HNU
Ein Dokument und seine Gechichte
Ich hatte die Hufu auf der Straße abgestellt, es standen schon ein paar Autos da.

Das ist das Dokument
Wir gingen in die Eisdiele. Als wir wieder zurückkamen, baute sich der ABV der Gemeinde Wermsdorf vor mir auf und fragte, was ich denn falsch gemacht habe. Ich konnte ihm nicht weiterhelfen.

Parkverbote interessierten mich damals ebenso wenig wie die Vorstellungen der bewaffneten Organe vom ordnungsgemäßen technischen Zustand von Kraftfahrzeugen. Wenn die Batterie alle ist, schiebt man das Fahrzeug an. Batterien sind teuer, in der IFA-Halle gibt es meist keine zu kaufen, und wenn man abends aus der Gaststätte kommt, hat der Laden sowieso zu. Der Blinker geht ja auch nicht mit Batterie, denn das häßliche hintere Schutzblech wurde aus optischen Gründen gekürzt, seitdem reibt der Reifen an den Kabeln und die Isolierung durch. Dann werden die Blinker eben nach unten gedreht, und jeder weiß, was los ist.

Nun aber war ich erwischt worden im Parkverbot, konnte zwar kein Schild erkennen, stellte aber irgendwann jegliche Widerrede ein, denn der Herr Hauptwachtmeister zeigte seine Waffe und kein Einsehen. Außerdem hatte ich Aussicht auf das originale Strafdokument, das er bereits in seinen Händen bereithielt. Über einen lächerlichen Betrag zwar, aber immerhin. Drei Mark waren damals viel Geld, man konnte in der Schenke beinahe sechs kleine helle Biere davon bezahlen (wir tranken aber nur große).

Also zog ich einen lilafarbenen Fünfmarkschein aus der Hosentasche, übergab ihn der Staatsmacht und hielt die Hand für das Wechselgeld auf. Eine Mark zurück, eine zweite... Einer plötzlichen Intuition folgend zog ich die Hand nicht zurück, und der Rächer des öffentlichen Raumes zählte mir das ordnungsgemäße Wechselgeld in die Hand: drei, vier, fünf. Wir verabschiedeten uns überaus höflich, und der ABV freute sich über den neuen Typus des netten, einsichtigen Straftäters in der sozialistischen Menschengemeinschaft.

Was lehrt uns dieses? Erstens bin ich verfolgt worden durch die Polizeigewalt. Zweitens habe ich noch eine Rechnung offen. Drittens war es wohl doch nicht immer ganz-ganz schlimm, manchmal sogar direkt lustig. Und viertens war es eine schöne Zeit mit der Liebsten auf dem Rücksitz, wenn sie sich an mich presste.


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GAZETA LIPSIGORODA 27.09.2005