| Die Heisenbergsche Unscharfdrohne | ||
Neulich unterwegs mit einem Kraftfahrzeug auf der Autostrada.
Leider stimmen die Verkehrsansagen überhaupt nicht mit der Realität überein. Angesagte Staus sind entweder längst aufgelöst oder noch in Vorbereitung. Der aktuelle Monsterstau, in den man sich eben ahnungslos begibt, um hier die nächsten vier Tage zuzubringen, wird natürlich nicht vermeldet. Abhilfe tut not, damit die letzte freie Ausfahrt genommen und in der Autobahnkirche für die Seelen der Ausgeschiedenen gebetet werden kann. Neue amerikanische Expeditionen beweisen: Die fahrzeuggebundene Drohne ist die Lösung. In einer geeigneten Abschussvorrichtung auf dem Fahrzeugdach gelagert, wird die Drohne beim Befahren der Autobahn gestartet und fliegt dem Fahrzeug etwa 20 km voraus. Das ist der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Anschlussstellen, so dass im Katastrophenfall noch eine Flucht möglich bleibt. Die Drohne liefert hübsche Kamerabilder vom Verkehrsgeschehen direkt auf den kleinen Fernseher, der im Kraftfahrzeug auf dem Armaturenbrett herumschlackert. Jede Unregelmäßigkeit im Verkehrsgeschehen wird erfasst, sofortige Flucht auf beschauliche Landstraßen ist möglich. Ein Problem bleibt natürlich, wie immer, wenn Lösungen scheinbar zu einfach zu haben sind: Die Drohne selbst wird bei den vorausfahrenden Kraftfahrern soviel Neugier erwecken, dass diese ungebremst ineinander rasen und einen riesigen Haufen verkeilten, unpassierbaren Bleches bilden werden. Ingenieur Pachnicke gebraucht für dieses Phänomen den Begriff der Heisenbergschen Unschärfe: Das beobachtende Objekt sorgt durch sein Vorhandensein selbst für Veränderungen bei den beobachteten Objekten. Schade-schade. |