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Von wegen Hinterwald!
Im Schatten der Malzfabrik
HNU
Als wir noch im Schatten der Malzfabrik wohnten, träumten wir oft von der Titanic. Oder von Raketen. Oder von Raketenkreuzern der Volksmarine. Wir wachten schweißgebadet auf, gingen zum Kühlschrank und entnahmen Biere. Da wußten wir, wozu die Malzfabrik eigentlich gut ist! Wir stellten uns vor, wie das Malz an den dreckigen, fetten Malzmaschinen hergestellt wird (wahrscheinlich mit Mikroelektronik, wie in Hinterwald üblich). Es stank nach verschmorten Transistoren.

Später zogen wir aus dem Schatten der Malzfabrik in das Licht der Metropole. Die Malzfabrik verlor für uns an Bedeutung und ging pleite. Wenn wir jetzt nachts schweißgebadet aufwachen, holen wir Biere aus dem Kühlschrank, stellen uns ans Fenster und betrachten die gleißenden Hochhäuser, durch deren Schluchten silberne Kareten jagen.

Irgend jemand hat wohl genug Malz aufgehoben in versteckten Silos unter der Erde von Mittelelbien. Oder bauen sie in den Hochhäusern der Metropole jetzt das Malz mit Gentechnik zusammen? Und fahren es mit silbernen Kareten in die Klubs, die stinkenden alten Malzfabriken nachgebildet sind?

Ja.

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GAZETA LIPSIGORODA 16.05.2007