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Vom Reisen
Expedition zum Südpol
HNU
Gestern nach üppigem Mittagessen brach ich bei scharfem Schneetreiben auf in den Wald.
Bis auf ein paar Flugzeuge und das Geräusch der Schneeflatschen, die von den Bäumen fielen, wenn sie sich nicht mehr halten konnten, herrschte großartige Ruhe.

Der Fotograf stand zu weit weg
Natürlich knarzten auch die Schuhe im Schnee, das klang wie alte Schallplatte. Schön wars. Ständig musste man sich im Gesicht herumwischen, denn die Schneeflocken juckten wie die Seuche, wenn sie auftrafen und langsam zerschmolzen. Eisbatzen bildeten sich am Kopf und sonstwo.

Nach mehreren Wegbiegungen hatte ich längst die Orientierung verloren, und die Fußstapfen wehten im Handumdrehen zu. Irgendwann hörte der Wald auf, es kam freies Feld, kein Weg war mehr in Sicht und das letzte ferne Hundegebell war erstorben. Unter mir schien Eis zu knacken. Plötzlich säumten Pinguine den Weg. Na gut, dachte ich, da kann ich gleich bis zum Südpol durchwandern, wenn ich schon mal hier bin.

Leider stand der Fotograf, der sich mit seinem Lada festgefahren hatte, zu weit weg vom Südpol, so dass ich auf dem Zielfoto viel zu klein abgebildet bin. Ich zürnte ihm ein wenig, bis ich merkte, dass er mittlerweile erfroren war. Kein Wunder bei dem Wetter.

Zu Hause gab es dann Ärger wegen des verspäteten Kaffeetrinkens sowie Häme ("schon wieder verlaufen"). Damit müssen wahre Pioniere immer rechnen.

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GAZETA LIPSIGORODA 02.03.2005